...oder warum es sinnvoll sein kann einen Coaching Auftrag abzulehnen

Coach, coach, go... ...oder warum es sinnvoll sein kann einen Coaching Auftrag abzulehnen von Thomas Heckler

von Thomas Heckler:

Eine der nachhaltigsten Erinnerungen an meine Zeit bei der Daimler AG war die Phase des Mergers mit Chrysler. "Eine Hochzeit im Himmel" (oder auch: merger of two equals – na ja, am Anfang zumindest) wurde dies ja mal genannt, eine Ehe die inzwischen auch schon wieder geschieden ist. In der post-merger-Organisation erhielten die Vertreter der HR Bereich beider Unternehmen den Auftrag außerhalb von Daimler-Chrysler nach best-in class Lösungen für Personalentwicklung Ausschau zu halten. Man wollte den Blick über den Zaun wagen und weder zu sehr auf Daimler noch auf Chrysler Lösungen vertrauen (und vermutlich weder den einen noch den anderen Teil des nun verschmelzenden Unternehmens enttäuschen). Neue Besen mussten her!

Also wurden wir aufgefordert weltweit nach best-in –class Personalentwicklung zu fahnden. Wir identifizierten etwa zehn Unternehmen, von denen allgemein bekannt war, dass sie hervorragende Personalentwicklung betrieben – und kamen so einmal um den Globus und mit vielen hochkarätigen Persönlichkeiten zusammen. Der Ruf "Daimler-Chrysler" will sucht  Benchmarkingpartner, öffnete alle Türen, auch zu den Personalvorständen und CHROs. Manche äußerten im Gespräch auch, dass sie eigentlich davon ausgegangen seien, dass Daimler-Chrysler in Personalentwicklungsangelegenheiten selbst "Benchmark" sein. Na ja, so ist das eben mit dem Rasen in Nachbars Garten.

Was mir von diesen vielen Gesprächen noch in Erinnerung geblieben ist, ist die Aussage "Coach, coach, go" eines der von uns besuchten Unternehmen. Gemeint war damit, dass man es als wichtige Verantwortung des Unternehmens sah (insbesondere neue) Führungskräfte mit Coaching Angeboten in deren Führungsaufgabe zu unterstützen. Sofern dies nicht den gewünschten positiven Effekt hatte, gerne auch mit einem zweiten Versuch. Dann allerdings genauso die Trennung von der Führungskraft einzuleiten, falls diese Unterstützungsangebote nicht fruchteten (also "go").

Der damalige CEO von Daimler war ganz begeistert von dieser Philosophie und vieles anders, was wir im PMI-Team zusammentrugen, bekam leider nicht seine Aufmerksamkeit.

Welche Konsequenz habe ich daraus für meine heutige Beratungsarbeit gezogen? In manchen Gesprächen habe ich den Eindruck, dass Coaching der letzte Versuch vor der Einleitung einer Trennung ist. Wenn diese Vermutung bei mir entsteht, spreche ich das klar bei Auftraggeber und Coachee an. Offen, direkt und lösungsorientiert. Anders macht ein anschließendes Coaching keinen Sinn. Dann lieber mal einen Coaching Auftrag ablehnen.

P.S. Einige Zeit musste der genannte CEO dann auch das Unternehmen verlassen. Ob er zuvor mehr als ein Coaching erhalten hat, ist leider nicht überliefert

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