Was ist im betrieblichen Kontext angemessen?
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Spaß am Arbeitsplatz muss sein oder doch lieber zum Lachen nach Hause in den Keller gehen? Was ist im betrieblichen Kontext angemessen?

„Kennen Sie den schon…?“, so beginnen oft Gespräche am Arbeitsplatz. Gemeint ist damit die Aufforderung über einen erzählten Witz gemeinsam zu lachen. Gemeinsames Lachen verbindet ja bekanntermaßen.

Gefährlich wird es immer dann, wenn der Witz beim Kollegen/der Kollegin nicht so gut „ankommt“, zum Beispiel weil er sexistisch, rassistisch ist oder einfach „gar nicht geht“. Sender und Adressat haben also unterschiedliche Erwartungshaltungen und vielleicht auch Kommunikationsstile (Schulz v. Thun lässt grüßen!).

Aber noch viel Grundsätzlicher stellt sich die Frage, ob Humor am Arbeitsplatz überhaupt angemessen ist und falls ja „in welcher Dosis“?
Der Psychologe Renè Proyer von der Universität Halle-Wittenberg forscht zu diesem interessanten und durchaus praxisrelevanten Thema.

Im Human Resources Magazin (Jan 2019) benennt er die positiven Effekte eines Arbeitsumfeldes, in dem auch Humor seinen Platz hat und in dem Humor zum (psychisch notwendigen) Abbau von Spannungen führen kann. Die Grundeinstellung, die dem zugrunde liegt ist, dass Freude beim Arbeiten zu besseren Ergebnissen und einem reibungsloseren Miteinander führt. Ja, Projekte dürfen auch Freude machen! Die alt bekannten Sprüche wie „wenn es Freude macht, ist es keine Arbeit“ oder „dann müssten Sie Vergnügungssteuer bezahlen“ haben endgültig ausgedient. In modernem Umfeld, wie Start-Ups, heute schon, in tradierteren Branchen hoffentlich nicht viel später.

Dennoch gilt es zu beachten, dass Humor nicht jedem Menschen gleichermaßen gegeben ist und es einer Differenzierung der Arten von Humor bedarf um von dessen (positiver) Wirkungsweise profitieren zu können. Auf den Punkt gebracht: ein Scherz (schafft gute Laune) hier und da sehr gerne, Humor (wohlwollender!) ebenso, Nonsens hängt stark von der Unternehmenskultur ab, Ironie eher sparsam und je nach Adressaten, Zynismus auf keinen Fall. Die energie-positiven Wirkungsweisen differenzieren je nach Angemessenheit in der Situation, Adressat und Art des Humorstils (Renè Proyer unterscheidet acht verschiedene Humorstile).

 „Feelgood Manager“ beschäftigen sich in Unternehmen zunehmend mit der Schaffung eines Arbeitsumfeldes mit Wohlfühlcharakter und „Spaßelementen“ (vielzitiertes Beispiel ist der Fußballkicker). Neben aller Berechtigung und Notwendigkeit dies zu tun, muss jedoch immer berücksichtigt werden, dass nicht jeder Mitarbeiter Spaß an jeder (potenziell Spaß erzeugenden) Aktivität hat. Gemeinsames Karaoke oder „Firmen Olympiaden“ bei Firmenevents sind nicht für jede/n etwas. Manche/r geht halt doch lieber in den (eigenen) Keller zu Lachen. Und das sollte auch – völlig wertfrei – akzeptiert werden.

Also bitte kein „too much of a good thing”! Man darf auch Spaß am Arbeitsplatz haben, aber keine/r sollte stigmatisiert werden, wenn er/sie diesen lieber außerhalb hat.

 Ach ja, kennen Sie eigentlich den ….?

 

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„Karaoke mit Kollegen? Die Hölle!“
– Anne Hünninghaus im Interview mit dem Psychologen Renè Proyer;
Seite 26 bis 29, HRM Magazin Jan 2019

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